Gedanken: Das bedingungslose Grundeinkommen

Bedingungloses Grundeinkommen

Aktuell ist ja das Thema „bedingunsloses Grundeinkommen“ wieder in aller Munde. Auch ich habe mir natürlich so meine Gedanken gemacht und möchte diese mit euch teilen.

Wichtig, ich setze mich hier nur mit der Idee auseinander. Ob diese wirklich realisiert werden kann, darüber streiten div. Parteien schon Ewigkeiten und das soll nicht mein Thema sein.

Was mir bei dieser Diskussion immer wieder auffällt, mit welcher Schärfe sie geführt wird!

Kurioserweise sind es hier aber nicht die Gutverdiener, die sich verbissen zeigen, sondern der vermeintliche kleine Mann ist hier der größte Verfechter, wenn es darum geht, dieses eben NICHT einzuführen.

Es ist schon kurios, gerade die Leute, die am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig haben, kommen gerne mit Argumenten wie:

 

„Die sollen für ihr Geld arbeiten!“

„Mir schenkt auch niemand etwas!“

„Faulheit darf nicht belohnt werden!“

 

Aber wer sich in der heutigen Gesellschaft umschaut, der muss erkennen, dass in den kommenden 15-30 Jahren diverse klassische Jobs wegfallen werden. So etwas wie Vollbeschäftigung, wird es ganz sicher nicht mehr geben. Aktuell ist Deutschland in Sachen Arbeitssituation zwar noch sehr gut aufgestellt, aber wir sollten im Hinterkopf behalten, dass dieser Zustand nicht ewig Bestand haben wird.

 

Harte Arbeit hilft nicht mehr

Der Gedanke mit der harten Arbeit, der wurde vielen von uns schon seit frühester Kindheit eingetrichtert. Und ja, es mag vielleicht auch mal seine Richtigkeit gehabt haben. In den 60er und 70er Jahren, konnten auch noch vermeintlich einfache Arbeiter eine Familie ernähren und sich so auch ein kleines Häuschen finanzieren.

In der heutigen Zeit mühen sich viele Menschen mit Zweit- oder Drittjobs und kommen trotzdem nicht über die Runden. Fleiß alleine ist also schon lange kein Garant mehr für ein finanziell gesichertes Leben. Und hier lassen wir das Thema Altersvorsorge sogar noch außen vor.

So gesehen kann man viele einfache Leute sogar etwas verstehen, die dann der Meinung sind, ein Hartz IV-Empfänger bekommt am Ende des Monats vielleicht seine 100-200 Euro weniger, muss dafür aber wenigstens nicht seine Gesundheit ruinieren…

Obwohl, auch das ist ein Trugschluss. Sicherlich macht sich dieser nicht körperlich kaputt, aber das Gefühl zu haben, kein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein, macht viele Menschen seelisch krank. Seelische Erkrankungen nimmt unsere Gesellschaft aber selbst heute nicht für voll und wischt diese gerne als Modekrankheit beiseite. Stichwort: „Reiß dich doch einfach mal zusammen!“

Und aktuell ist es eben noch so, dass sich unsere Gesellschaft fast ausschließlich über die klassische Arbeit definiert.

Wer einmal das „Vergnügen“ hatte, als Hartz IV-Empfänger div. Gängeleien über sich ergehen zu lassen, dabei komplett finanziell die Hosen runterlassen musste und auch ständig mit der Angst lebte, dass selbst die Einladung zum Essen bei Muttern oder Freunden als geldwerter Vorteil gewertet werden, der kann diesen Zustand nicht wirklich als erstrebenswert ansehen!

Der kleine Rest, der wirklich zufrieden und glücklich in Hartz IV lebt, wo auch das Amt sämtliche Vermittlung aufgegeben hat, den gibt es natürlich auch. Aber dies ist wirklich nicht der Großteil der Betroffenen.

 

Das Bild der Arbeit muss sich ändern

Wir müssen weg von dem Gedanken, dass bedingungsloses Grundeinkommen die Arbeit an sich abschaffen würde. Hier wird nicht Faulheit belohnt, sondern es findet eine komplett radikale Veränderung des Arbeitsmarktes statt.

 

Spielen wir es doch einfach mal gedanklich durch.

Ab morgen bekommt jeder von uns 1.000 Euro ganz automatisch von Vater Staat. Keinerlei Gängelung, keine Rechtfertigung, wofür… das Geld ist einfach da!

Wie würde sich unsere Arbeitswelt ändern?

Nun, ganz sicher würden wir für einen kurzen Moment eine Vielzahl von Aussteigern haben. Menschen, die sich den Wunsch nach einer langen Reise erfüllen möchten. Andere, die schlichtweg eine Auszeit haben wollen und ja, natürlich auch ein kleiner Teil, der es sich mit den 1.000 Euro gemütlich machen wird und den lieben langen Tag vor sich hindödelt.

Selbstverständlich würden aber nicht alle Menschen ihren Job aufgeben. Diese  1.000 Euro wären ja über Steuern und Abgaben finanziert. Arbeitgeber würden dann in Zukunft natürlich nicht einfach das volle alte Gehalt weiter auszahlen.

Wer also vorher vielleicht einen Job hatte, der ihm 1.400 Euro einbrachte, der verdient jetzt eben zusätzlich nur noch 400 Euro, da die 1.000 Euro ja sowieso vorhanden sind. Trotzdem will man ja aber vielleicht nicht auf diese 400 Euro verzichten.

Allerdings bedarf es hier natürlich einer echt großen Leidenschaft für den alten Job, wenn man dort bereit wäre, für 400 Euro eine 40 Stunden Woche zu investieren. Auch hier käme es sicherlich zu einer Veränderung, da eben nicht alle Leute diesen Spaß mitmachen würden. Die Arbeitgeber müssten sich ins Zeug legen, ihre alten Angestellten zu halten und wahrscheinlich wären dann eher Summen von 700-900 Euro obendrauf die Realität.

Und 1.900 Euro im Monat sind eben doch noch einmal ein Unterschied zu lediglich 1.000 Euro.

Im Hinterkopf bitte immer noch die Entwicklung behalten. Nicht jeder Mensch kann in Zukunft einen klassischen Job bekommen, so dass eine solche Gehaltsentwicklung durchaus realistisch ist.

 

Was ist mit den „Faulen“?

Jetzt lohnt natürlich der Blick auf die „faulen“ Menschen. Wobei diese es nur auf den ersten Blick wirklich wären.

Richtig faul sind die wenigsten Menschen. Fast jeder von uns möchte sich mit irgendwas behaupten.

Und hier bitte wirklich mal den Bodensatz an Leuten streichen, die zu Hause mit der Pulle Bier sitzen und ihrem RTL-TV glücklich sind.

Unsere Gesellschaft würde einen ungeheuren kreativen Boom erleben.

Viele von uns, würden ihrer eigentlichen Passion folgen. Einige fangen vielleicht an zu schreiben, andere malen und wieder andere haben Spaß am Handwerk.  Wahrscheinlich wird manch einer sogar so gut darin, dass sich daraus ein zukünftiges berufliches Standbein entwickelt.

Etwas, was vorher nie möglich war, weil man in der Tretmühle aus Angst vor finanzieller Not und gesellschaftlichem Abstieg festhing.

Auch ehrenamtliche Bereiche würden profitieren.

Denn nicht jeder Mensch definiert sich über Geld. Viele sind einfach froh und erfüllt, wenn sie z.B. alten oder behinderten Menschen im Alltag helfen können. Etwas, was diese nach einem heutigen 8-Stunden-Tag einfach nicht mehr auf die Reihe bekommen. Also auch gesellschaftlich würde sich vieles zum Positiven entwickeln. Weg vom Egoismus, hin zu einem neuen Miteinander. Gerade wenn man sich die demografische Entwicklung anschaut, sollte man diesen Aspekt nicht aus dem Auge verlieren.

Aber selbstverständlich wird es auch die Schmarotzer geben. Leute die selbst mit dieser Summe nicht über die Runde kommen, die ihr ganzes Geld in Drogen, Alkohol oder Glücksspielautomaten stecken. Das ist nun einmal die Natur des Menschen. Wir vergessen aber sehr gerne, dass es diese auch heute schon gibt. Persönlich gehe ich eher davon aus, dass der Anteil derer beim bedingungslosen Grundeinkommen deutlich sinken wird.

 

Große gesellschaftliche Herausforderung

In meinen Augen gibt es auf lange Sicht keine Alternative zum bedingungslosen Grundeinkommen. Gesellschaftlich wird es aber schwer sein, die alte Denkweise in den Köpfen der Menschen aufzubrechen.

Die Natur der Arbeit wird sich ändern, daran führt kein Weg vorbei. Die alten Zeiten werden nicht wieder kommen. Es liegt an uns die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Die Deutschen werden auf diesem Feld ganz sicher nicht die Ersten sein, das liegt leider nicht in unserer Natur und die festgefahrenen Gedanken, auf die ich am Anfang meines Artikels hingewiesen habe, werden uns noch lange begleiten.

Aber vielleicht werden wir als Gesellschaft erkennen, dass das Grundkonzept vernünftig ist und wenn es uns vielleicht das ein oder andere Land vorlebt, werden wir es hinterher perfektionieren.

Denn wir dürfen nicht vergessen, das Gesicht der Arbeit wird sich ändern. Und ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, wo sich die Menschen über Ihre Arbeit definieren, sondern lieber in einer, wo sie es über ihre Aufgabe tun.

Arnd Rüger wurde 1968 geboren und darf sich daher ganz offiziell als ein richtig alter Sack bezeichnen, der sich inzwischen schon mehr als einmal gedacht hat, dass er doch eigentlich viel zu alt für diesen Scheiß ist. Neben seiner Leidenschaft für Computer- und Videospiele ist er auch noch begeisterter Film- und Serienfan. Kaum zu glauben, von Zeit zu Zeit schwingt er sogar seinen fetten Hintern aufs Rad oder schnappt sich seine Kamera um ein paar schöne Fotoaufnahmen zu machen.

Kommentar verfassen