Gedanken: Früher waren wir Helden!

Mal ganz ehrlich, dieses übliche Geschwurbel von „früher war alles besser“ lockt doch inzwischen nicht wirklich den Hund hinterm Ofen hervor, oder?
Mittlerweile gibt es ja schon wissenschaftliche Abhandlungen die genau erklären können, warum gerade die älteren Zocker mit schöner Regelmäßigkeit dem Retro-Wahn verfallen.

Um es mal auf ein paar wichtige Punkte herunter zu brechen, so soll es in erster Linie die Erinnerung an die Kindheit sein. Als wir alle eben noch unbeschwert waren, Stunden über Stunden in diverse Games gesteckt haben und um Dinge wie Miete, Privat- und Berufsleben, Sinneskrisen oder aber das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit nicht einmal ansatzweise Gedanken machen mussten.

Ja, das mag alles stimmen. Vieles davon kann ich auch aus ganz eigener Erfahrung berichten.

Aber eine Sache wird, so zumindest meine Empfindung, total vergessen. Früher konnten wir uns noch als echte Helden fühlen.

Jetzt fragt sich sicherlich der ein oder andere von euch, was ich damit meine. Gut, ich nehme mich da gerne mal Mustervorlage.
Als Jugendlicher (und wahrscheinlich auch heute noch), war ich ein ziemlicher Eigenbrödler. Ich hatte nicht viele Freunde, aber die paar die ich hatte, auf die konnte ich zählen. In der Schule lief es eher „suboptimal“ und natürlich gehörte auch zu meiner Erfahrung der tolle Spaß des Mobbings dazu.
Zum Glück gab es damals noch kein Internet, so dass diese kurze Phase von 1,5 Jahren in der Schule, wenigstens am Nachmittag, Wochenende und in den Ferien ein Ende fand. Tja, und was macht ein so gebeutelter Jugendlicher, wenn das Selbstbewusstsein total im Keller ist? Richtig, er sucht sich etwas, worin er richtig gut ist. Und in meinem Fall waren es damals eben Computer- und Videospiele.

Und ich war damals richtig gut. Es gab niemanden in meinem direkten Umfeld, der bei den Spielen besser war. Und so zog ich ungemein viel aus dieser Erfahrung. Endlich hatte ich mal etwas, wo ich uneingeschränkt der Beste war. Wo mir niemand das Wasser reichen konnte. Zudem war jedes neue Spiel auch gefühlt ein neues Universum, welches entdeckt werden wollte. Ich konnte total in dieser Welt aufgehen und sie mir in der Fantasie sogar noch prächtiger ausmalen, als es die Pixel in Wirklichkeit waren.

Und eben genau diese Erfahrung, kann doch heute kaum noch jemand machen.

Das Internet zeigt Dir jeden Tag brutal dein eigenes Limit auf.

Du denkst, dieses oder jenes Spiel kannst du perfekt? Lächerlich, da gibt es ein paar Leute, die haben das Spiel schon in 3-4 Stunden durchgezockt, während du Lusche noch im 1. Level festhängst.

Oder raucht der Kopf, weil du ein Rätsel nicht sofort lösen kannst? Ich musste damals mich noch richtig reinfuchsen oder hatte maximal den Luxus, in einem Monat mit Hilfe einer Spielezeitschrift den entscheidenden Tipp zu bekommen. Heute reicht ein Blick auf die offizielle Seite, ein Youtube-Video oder irgendein Forum… zack, Problem gelöst.

Klar, ich hätte auch als heutiger Jugendlicher meinen Spaß mit Spielen, würde auch ganz sicher in dem ein oder anderen Spiel versinken und vielleicht in ganz seltenen Fällen auch mal ein wirklich guter Spieler sein.

Aber das Gefühl, wie damals ein echter Held zu sein, der ein ihm unbekanntes Universum erschlossen hat. Dieses wird heutzutage wohl fast nicht mehr möglich sein. Und ganz ehrlich, eben genau jenes Gefühl vermisse ich so ungemein. Denn das Alltagsleben hält leider nicht mehr so viele Boosts für einen bereit.
Wahrscheinlich fiebere ich aus genau diesem Grund dem Release von No Man’s Sky entgegen. Zwei Wochen Urlaub zum Release und die Möglichkeit ein echtes Universum zu entdecken. Sicher, auch dieses Spiel wird seine Limitierungen haben, aber vielleicht schafft es dieser Titel, mich zumindest für die Zeit von zwei Wochen ein klein aus allem zu entführen.

Arnd Rüger wurde 1968 geboren und darf sich daher ganz offiziell als ein richtig alter Sack bezeichnen, der sich inzwischen schon mehr als einmal gedacht hat, dass er doch eigentlich viel zu alt für diesen Scheiß ist. Neben seiner Leidenschaft für Computer- und Videospiele ist er auch noch begeisterter Film- und Serienfan. Kaum zu glauben, von Zeit zu Zeit schwingt er sogar seinen fetten Hintern aufs Rad oder schnappt sich seine Kamera um ein paar schöne Fotoaufnahmen zu machen.

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