Gedanken: AdSense, Let’s Plays & Co

Seit 2013 ist planego.de inzwischen online. Ursprünglich mal gestartet um nicht nur mich, sondern auch zwei Freunde beruflich am Leben zu halten. Es waren viele hochtrabende Ideen investiert worden und die Seite sah in den Anfängen auch ein wenig anders aus.

Seit 1998 war ich in der Gamesbranche aktiv und habe, kaum zu glauben, mit ihr auch meine Brötchen verdient. Mein alter Herr, Gott haben ihn selig, konnte nie begreifen, wie man mit der Berichterstattung über Computer- und Videospiele Geld verdienen konnte.

Auch ich bin 1998 nicht wirklich gefragt worden, ob ich das eigentlich will, es war schlichtweg ein dummer Zufall, ein gebrochener Fuß, der dafür sorgte, dass aus dem kleinen Bürokaufmann ein Fachjournalist für Computer- und Videospiele wurde. Aber dazu vielleicht später in einem anderen Beitrag mehr.

Ich erlebte aktiv die große Wachstumsphase des Onlinejournalismus mit und hatte auch die meiste Zeit meine Freude mit diesem Job.

Inzwischen teile ich das Schicksal vieler ehemaliger Kollegen in diesem Bereich… ich wurde aussortiert bzw. Teil eines Gesundschrumpfungsprozesses. Natürlich gibt es immer noch viele erstklassige Kollegen, die einen guten Verdienst haben. Diese haben Glück, bei einigen der wenigen klug gewirtschafteten Magazine zu sein. Viele davon haben auch rechtzeitig den Trend der Videoberichterstattung erkannt und sind quasi so auf den Let’s Player Zug halbwegs mit aufgesprungen.

Andere Kollegen versuchen sich als Einzelkämpfer durchzuschlagen, wählen den direkten Weg der Let’s Plays und manche scheitern dabei.

Noch halbwegs Glück haben die richtigen Urgesteine, die schon weit vor dem Onlinejournalismus dabei sind. Deren Artikel werden fast immer noch mit Kusshand genommen, denn ihre Namen sind quasi untrennbar mit der Branche verbunden.

Als ich planego.de startete, gab es viele ehemalige Kollegen, die es belächelt haben, die sich lustig gemacht haben über die unnötige Energieleistung die ich verschwendet habe. Klar, diese Leute sitzen jetzt wahrscheinlich im stillen Kämmerlein und jubeln triumphierend: „Ich habe es ihm ja gleich gesagt!“.

Ja, meinetwegen… holt euch auf diesen Erkenntnisgewinn bitte jeden Tag einen runter!!!

Ich habe es trotzdem nicht bereut!

Denn wenigstens hatte ich in dieser Zeit eine Aufgabe, habe mich mit Freude daran gesetzt und habe mir einfach ausgemalt, was wäre, wenn das Projekt eben doch erfolgreich wäre. Das war 1000x besser, als Zuhause im Selbstmitleid zu versinken und die ganze Welt für mein Schicksal verantwortlich zu machen (gut, das habe ich natürlich ab und an trotzdem gemacht *g*).

Und um noch einen bei der Ehrlichkeit raufzusetzen. Ich habe insgesamt an Werbeeinnahmen mit planego.de nicht einmal 100 Euro verdient. Es klickt nie eine Sau auf irgendwelche Amazon-Links und es war fast ein Wunder, als Google damals die ersten 70 Euro überwiesen haben.

Inzwischen kann ich nicht einmal mehr auf Google als Einnahme setzen, weil ich irgendwann mal ganz lapidar darüber informiert worden bin, dass es Unregelmäßigkeiten bei meinem Account gibt und ich deswegen gesperrt bin.

Klasse, oder?

Und wer weiß, dass man nicht mehr Teil bei Google AdSense sein kann, der hat auch keinerlei Möglichkeit, später einmal mit YouTube Videos Geld zu verdienen.

Ich habe zwar Einspruch erhoben, aber nur die lapidare Standardantwort erhalten. So kann ich nur mutmaßen, was der Grund gewesen ist. Da ich zu der Zeit ein wenig Streit mit einer Person hatte und kurz darauf die Einnahmen für einen Bruchteil der Zeit explodierten, gehe ich mal davon aus, dass dieser fleißig Banner geklickt hat und ich dafür jetzt bestraft wurde.

Keine Chance, aus diesem Kreislauf jemals wieder auszubrechen. Wenn dich Google nicht mehr lieb hat, bist du leider auf ewig verloren!

Aber eben in genau dieser großen Niederlage, passierte auch gleichzeitig ein großer Glücksfall. Ich habe einen ganz normalen Job bei einem großen Unternehmen gefunden. Mein normales Einkommen ist also gesichert, wenn auch leider nur geringfügig über dem Niveau, was man als Hartz IV-Empfänger hat. Ich habe nette Kollegen und gehe nicht mit Angst oder gar Bauchschmerzen zur Arbeit. Wer so etwas einmal erlebt hat, der weiß auch, dass es kein Geld der Welt wert ist, wenn man mit genau solchen Ängsten jeden Tag aus dem Haus muss.

Inzwischen ist die Stimme quasi mein Hauptarbeitsmittel. Tja, irgendwer muss den armen Opas und Omas ja erklären, wie der neue Smart TV läuft oder warum der Laptop immer abstürzt.

Natürlich kam auch da wieder der Gedanke auf, ob ich es nicht doch noch mit Let’s Plays versuchen sollte. Nicht um Geld zu verdienen, was ja wegen dem fehlenden AdSense eh nicht mehr geht, sondern einfach, weil es mir Spaß macht.

Allerdings ist es ja nicht nur alleine die Stimme. Ich finde, ein guter Let’s Player muss in erster Linie auch ein guter Entertainer sein. Mal ehrlich, jede Wurst kann sich doch vor den Bildschirm setzen und irgendwas spielen. Zuhören mag man doch nur, wenn diese Person witzig ist bzw. einfach gut unterhält.

Für so etwas muss man aber auch ein wenig die Gene einer Rampensau haben. Ja vielleicht auch ein wenig exhibitionistisch veranlagt sein.

Ich selbst bin aber eher der Mensch, der gerne im Hintergrund agiert. Ich meide gerne jede Kamera und die Vorstellung, ein Let’s Play mit Einblendung meiner fetten Hackfresse zu „veredeln“ lässt mich erschaudern.

Tja, und genau aus dem Grund mache ich derzeit nicht mehr viel auf der Seite.

Es gibt zwar Phasen, wo ich überlege es einfach mal zu probieren, aber ich weiß dann einfach nicht, ob dann eben nicht doch der ein oder andere negative Kommentar mich runterziehen würde. Denn immerhin verkauft man in so einer Situation nicht einfach nur einen Text (da kann gerne jemand drüber meckern), sondern man stellt sich komplett selbst dar. Und auch wenn viele große Let’s Player das wahrscheinlich an sich abtropfen lassen, ich weiß einfach nicht, ob ich dazu in der Lage bin.

Vielleicht muss ich mit dem Gedanken erst warm werden und allgemein wieder mehr auf der Seite schreiben. Dieser Text ist ja zumindest schon einmal ein Anfang.

Arnd Rüger wurde 1968 geboren und darf sich daher ganz offiziell als ein richtig alter Sack bezeichnen, der sich inzwischen schon mehr als einmal gedacht hat, dass er doch eigentlich viel zu alt für diesen Scheiß ist. Neben seiner Leidenschaft für Computer- und Videospiele ist er auch noch begeisterter Film- und Serienfan. Kaum zu glauben, von Zeit zu Zeit schwingt er sogar seinen fetten Hintern aufs Rad oder schnappt sich seine Kamera um ein paar schöne Fotoaufnahmen zu machen.

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