Dungeons 2: Der penible deutsche Tester

Bevor jetzt jemand einen Test von mir erwartet… sorry, ich habe erst ein paar Stunden auf dem Buckel. Trotzdem möchte ich ein klein wenig auf das eingehen, was mir nach dem Lesen des Gamestar, und PCGames-Artikels durch den Kopf gegangen ist.

Eigentlich war ich nie ein Fan davon, Wertungen zu zerreden. Irgendwo muss man es ja akzeptieren, dass Geschmäcker verschieden sind und ein Test, bei all seiner angestrebten Objektivität, immer nur einen subjektiven Eindruck wiedergeben kann.

Inzwischen allerdings sträubt sich in mir alles, wenn ich an die „deutsche Testkultur“ denke. Ja, auch ich bin inzwischen eher ein Verfechter davon, so etwas wie Wertungen abzuschaffen. Da es im Grunde genommen ein Ding der Unmöglichkeit ist, so etwas wie Spielspaß in eine Zahl zu pressen. In meinen Augen gibt es doch eigentlich nur drei Zustände beim Zocken.

  1. Es macht Bock
  2. Es langweilt mich
  3. Ich fasse die gequirlte Scheiße nie wieder an!

Interessieren tut die Leute doch nur der Bereich „Bock“ und da möchte man vielleicht noch wissen, ob es richtig suchtet oder man eben nur eine gute Zeit hat!

 

Wir analysieren uns zu Tode
Über die letzten Jahre ist mir eine Sache an mir selbst und auch an vielen Freunden aufgefallen:

Richtig Spaß hatten wir oftmals nur an Spielen, die kleine Macken ihr Eigen nannten!

Entweder es lief nicht alles richtig rund, gab hier und da Bugs (aber nicht spielentscheidend) oder aber die Bedienung hätte leichter zugänglich sein können. Letzteres fiel einem immer dann auf, wenn man ungemein viel Zeit mit dem Spiel verbrachte. Wahrscheinlich mehr, als jeder andere Mensch auf dem Planeten (inkl. der Entwickler). Trotzdem haben wir diese Spiele ins Herz geschlossen und sie werden wahrscheinlich noch im Altenheim Thema zwischen uns sein (so wie jetzt Opa und Ur-Opa sich die Storys von Stalingrad erzählen).

Solche Spiele haben fast durch die Bank 80er Wertungen erhalten und landeten fast nie im 90er Bereich… sollte einem zu denken geben. Denn natürlich wurde gemäß der deutschen Gründlichkeit, ein solches Spiel auch in diversen Testlaboren auseinandergenommen und man präsentiere stolz die gefundenen Fehler. Auch ich war da in den vergangenen Jahren, wo ich noch aktiver Tester war, keine Ausnahme.

Man hat eben das gemacht, was alle von einem erwartet haben, auch wenn man innerlich wusste, der Weg den man geht ist eigentlich falsch.

 

Dungeons 2 Tests: Viel zu kritisch
Sorry, aber wenn ich mir die beiden Tests so durchlese, dann empfinde ich in erster Linie Wut.

Wut, weil mal wieder die typische extreme deutsche Gründlichkeit ausgegraben wurde und wirklich ALLES, was man bemängeln kann, auch bemängelt wurde und somit das Spiel keinerlei Chance auf eine wirklich faire Berichterstattung bekommen hat.

Jetzt mögt ihr vielleicht denken: Ja, soll ein Test nicht so sein?

Doch, im Grunde genommen schon… aber dann bitte so fair sein, und so etwas IMMER anwenden!

Gedankenexperiment: Angenommen, Dungeons 2 hätte Blizzard entwickelt und das, was wir jetzt als das fertige Endergebnis vor uns haben, wäre nur die deutsche Synchronisation gewesen… was meint ihr wohl, wie die Testberichte ausgefallen wären?

Ganz richtig, die umständliche Steuerung, die je nach Dungeon oder Oberwelt wechselt, wäre als innovative Gamedesign-Entscheidung gefeiert worden.

Jeder noch so kleine Wald- und Wiesentester hätte sich einen darauf geschleudert, endlich wieder ein neues… nein BESSERES Dungeon Keeper in den Händen zu halten.

Die Titelseiten der Magazine und die Headlines aller Onliner wären voll von Specials und das Spiel wäre auf Monate in den Charts auf Platz 1 gewesen.

Aber hey, hier haben wir es ja „nur“ mit Kalypso und Entwickler Realmforge zu tun. Während uns die anderen mal zu einem tollen Flug in die USA einladen können, gibt es hier ja nur Schnittchen im beschaulichen Worms…

Aber dann zwei Monate später in einem wehklagenden Artikel rumnölen, dass in Deutschland ja nie Entwickler richtig groß werden können und wir hier keine Publisher der Marke EA & Co. haben.

Ja MEINE FRESSE… wie auch? Wenn ihr auch wirklich ausnahmslos jede deutsche Produktion dermaßen überkritisch zerfleddert, die mal nicht im Bereich Aufbau oder Adventure zu finden sind?

 

Zum Thema Humor
Ich selbst habe inzwischen lediglich ein paar Stunden mit dem Spiel verbracht. Muss aber sagen, dass ich den Humor von Dungeons 2 keinesfalls grenzwertig oder als zu albern empfunden habe. Mir ist natürlich klar, dass der eine mehr Verständnis für Humor hat und der andere vielleicht weniger. Ich gehöre zur Klientel, die mit fast jeder Art von Humor etwas anfangen kann.

Hey, und Monty Arnold macht einen verdammt guten Job. Man merkt ihm an, mit wieviel Spaß er bei der Sache gewesen ist. Ich musste mehr als nur einmal aufpassen, dass ich mein Getränk nicht prustend über die Tastatur gab.

Natürlich zündet nicht jeder Gag, aber ein Schmunzeln war bei mir immer drin.

Richtig schallend gelacht habe ich, als ich im Tutorial zu blöd war, meine Einheiten am Leben zu lassen. Da es ja eben das Tutorial war, bekam ich natürlich diese gleich wieder spendiert. Aber die Sprüche dazu und wie es überhaupt dazu kam, dass ich jetzt noch einmal über so eine Einheit verfüge… ZU SCHÖN. So etwas hätte ich mir von anderen Spielen auch gewünscht! Ich habe das echt gefeiert… toll, wenn die eigene Blödheit auch von einem Spiel „belohnt“ wird ;-).

 

Zur Wertung
72 bzw 73% haben die beiden großen Games-Leitmedien dem Spiel gegeben und damit ins Nirwana der Bedeutung geschossen.

Man kann nur hoffen, dass Kalypso inzwischen mehr den Weg geht, und diesen Titel verstärkt der Let’s Play Klientel zur Verfügung stellt, als dem nüchternen deutschen Tester. Dort nämlich kann dann jeder selber sehen, wieviel Spaß man mit dem Spiel haben kann.

Oh, und wenn mich aktuell jemand fragen würde, wo ich den Titel derzeit ansiedeln würde… (und ich weiß ja, dass ihr da draußen alle Wertungshuren seid, hehe) zwischen 86-89%… also genau der Zone, in der sich fast immer meine Evergreens aufhalten!

Und jetzt entschuldigt bitte, einer meiner Schnodderlinge braucht einen Klapps auf den Hintern, der könnte durchaus etwas schneller arbeiten.

Arnd Rüger wurde 1968 geboren und darf sich daher ganz offiziell als ein richtig alter Sack bezeichnen, der sich inzwischen schon mehr als einmal gedacht hat, dass er doch eigentlich viel zu alt für diesen Scheiß ist. Neben seiner Leidenschaft für Computer- und Videospiele ist er auch noch begeisterter Film- und Serienfan. Kaum zu glauben, von Zeit zu Zeit schwingt er sogar seinen fetten Hintern aufs Rad oder schnappt sich seine Kamera um ein paar schöne Fotoaufnahmen zu machen.

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